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Ilona Herreiner
Zwischenfelle
08.09. - 27.10.2012

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Ilona Herreiner
Zwischenfelle
8. September–27. Oktober 2012

Eröffnung: Freitag 7. Septemeber 2012, 18 – 22 Uhr

 

Ein gehörnter Junge mit Hufen schlürft, vorne übergeneigt mit einem Trinkhalm etwas vom Boden auf – schlürft auf oder pustet vielleicht auch vor sich her. So fremdartig die Situation für den Betrachter, so natürlich scheint der Vorgang für den hölzernen Satyrjungen. Wieder sind es sonderbare Zwitter-wesen mit denen uns die Holz-bildhauerin Ilona Herreiner in ihrer neusten Ausstellung konfrontiert. Menschliche, zumeist kindliche Gestalten, die dabei sind, sich langsam in Tiere oder Pflanzen zu verwandeln – oder vielleicht auch umgekehrt. Einer Jungenfigur wachsen Flügel statt Arme aus dem T-Shirt, noch nicht – oder möglicherweise auch nicht mehr zum Fliegen geeignet. Mit einer Schlingpflanze verwachsend oder daraus hervortretend, steht uns ein Mädchen gegenüber, die Haare zu Affenschaukeln gebunden, von ihrer Verwandlung wie unbeeindruckt. Vollziehen sich hier Metamorphosen? Wir blicken auf kleine Körper, die sich wie gefangen, aber gleichwohl ganz selbstverständlich in einem Zwischenstadium befinden. Ihre äußere Daseinsform: Zwischenfelle, eine Hülle, die nicht ihre endgültige Haut ist?

Mag bei erster Betrachtung noch mythologische Metamorphose, märchenhafte Verwandlung, oder sogar eine Art pubertäres Unbehagen anklingen, so fällt bei genauem Hinsehen auf, dass keine Gestalt unzufrieden zu sein scheint. Im Gegenteil. Die Gestalten wirken ausgeglichen, lächeln zum Teil und halten eine Pose inne, die befremdlich natürlich ist. Sie sind sicher in ihrer Existenz, ausgeglichen. Zwischenfelle – vielleicht doch kein Übergangs-stadium? sondern ein Endstadium, eine eigene Art.

Die Skulpturen geben uns keine eindeutige Antwort. Alle aus einem Stamm geschnitzt, ohne Titel und so gut wie ohne jegliche Farbe, die Spuren des Werkzeugs, das sie erschaffen hat auf dem Körper, treten sie mit uns in einen stillen Dialog, die Fahne hochhaltend für ihresgleichen.

Einen zweiten Aspekt der Ausstellung bilden kleine Figuren auf Holzsockeln, die mit Stahlbügeln an der Wand befestigt sind. In diesen Figuren reflektiert Herreiner wie in knappen Traumsequenzen menschliche Bedürfnisse und Nöte. Anders als bei den großen Skulpturen schwingt hier stets ein Augenzwinkern mit. Gemeinsam bieten beide Werkgruppen einen hintergründigen Ausflug in die menschliche Selbstfindung, -wahrnehmung und -erkenntnis.

Anlässlich der Ausstellung erscheint eine kleine Publikation mit einem Text von Katja Oskamp.