galerie julia garnatz
positionen
Siegfried Anzinger
Gina Lee Felber
Ilona Herreiner
Katarina Lönnby
Nina Malotta
Adrian Norvid
Ramona Schintzel
04.09.–23.10.2010

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positionen
Siegfried Anzinger, Gina Lee Felber, Ilona Herreiner, Katarina Lönnby, Nina Malotta, Adrian Norvid, Ramona Schintzel
Laufzeit: 4. September bis 23. Oktober 2010

Die aktuelle Ausstellung positionen zeigt sieben künstlerische Positionen des Galerieprogramms, die sich medial völlig unterschiedlich ihren Werkinhalten nähern: Siegfried Anzinger, Gina Lee Felber, Ilona Herreiner, Katarina Lönnby, Nina Malotta, Adrian Norvid und Ramona Schintzel.
Malerei, Fotografie, Skulptur, Film, Collage, Assemblage und Zeichnung kommen in dieser Ausstellung zu medial- wie generationsbedingt sehr unterschiedlichen Ergebnissen. In der Gegenüberstellung entsteht ein spannungsreicher Dialog zwischen Medien, Herangehensweisen und Werkinhalten.

Siegfried Anzinger (*1952), Professor an der Akademie der Bildenden Künste in Düsseldorf befasst sich in seinen jüngsten Gemälden verstärkt mit zeichnerischen Aspekten. Beeinflusst von der Bleiverglasung der Kirchenfenster die er 2008 für die Pfarrkirche in Weyer gestaltete, erhält die Kontur mehr Bedeutung und reibt sich an dem charakteristisch malerischen in Anzingers Werk.

Dem gegenüber stehen die kühlen Fotografien Gina Lee Felbers (*1957), die mit Erkennbarkeit, mit Licht- und Schattenwelten spielen. In der gezeigten Werkgruppe lassen sich die für Felber typischen Themen ihrer Kunst erkennen: Vergänglichkeit und Tod klingen an, es geht um Hüllen und um Bewahren, um Zerbrechlichkeit, Transitorisches, um Relikte und moderne Reliquien.

Zwei neue Arbeiten präsentiert die Holzbildhauerin Ilona Herreiner (*1970). Aus einem monolithischen Block heraus schälte sie zwei kompakte Figuren. Mit alten, stolz-starren Gesichtszügen schreitet eine der weiblichen Figuren eine Treppe herunter. Der verlorene Schuh ist grasbewachsen, als ward er vom Prinzen nicht gefunden. Fabelwelt wie zutiefst Menschliches treffen aufeinander und finden in handwerklich herausragenden Skulpturen ihren ungewöhnlichen Ausdruck.

Die Schwedin Katarina Lönnby (*1967) etabliert sich nach mehreren Einzelausstellungen und Auftritten auf der Art Cologne nun auch im deutschen Kunstraum. Mythen, Märchen, Fabelwesen und deren Hinterfragung bekommen, mit leichter Hand gemalt und gezeichnet, ein verstörendes Eigenleben. Korrespondierend zu Wesen auf Papier und Leinwand vergegenständlichen sich die Phantasiewelten in skulpturalen Objekten und Assemblagen.

Konsequent verfolgte Nina Malotta (*1982) neben ihren auf Linie und Kontur komprimierten Kurzgeschichten im Medium der Zeichnung das Studium der Szenographie und präsentiert sich hier mit einem Kurzfilm. In der dunklen Kulisse einer alten und schon lange verlassenen Kaserne agieren vereinzelte Figuren in stummen Szenen und bilden eine Parallele zu Ihren Zeichnungen. Ähnlich der Einteilung in Registertaschen spielen die Szenen in nebeneinander gesetzten Schnitten, die von einer übergeordneten Regie zusammengehalten werden.

In Manier der Wimmelbilder lässt Adrian Norvid, geboren 1959 in London und seit 1989 Dozent für Zeichnung an der Concordia University in Montreal, Kanada, eine skurrile Welt entstehen. Ausgeführt mit Pinsel und Flashe Vinyl Farbe auf Papier bedient sich Norvid des Duktus’ des skizzierenden Zeichnens wie des Cartoons.

Ramona Schintzel, geboren 1982 in München, absolvierte ihr Studium der freien Malerei und Graphik als Meisterschülerin bei Axel Kasseböhmer an der Akademie der Bildenden Künste München. Mit pastosem Farbauftrag in der Malerei und mit feiner Linie in den Bleistiftzeichnungen blicken dem Betrachter eindringliche Porträts entgegen. Kinder mit alten Gesichtern und Erwachsene mit verzerrten Proportionen befinden sich in einem bürgerlichen Bildraum. Die altmodischen Requisiten berühren ureigenste Befindlichkeiten und lassen den Betrachter in einem Zwischenreich von Faszination und Abscheu erstarren.