galerie julia garnatz
Janet Werner
30.10–18.12.2010

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Janet Werner
30. Oktober–18. Dezember 2010

Eröffnung: Freitag 29. Oktober, 18–21 Uhr

In ihrer zweiten Einzelausstellung in der galerie julia garnatz zeigt die kanadische Künstlerin Janet Werner (*1959) ihre neuesten Arbeiten auf Leinwand.

Portraits bilden nach wie vor den Schwerpunkt in Werners Oeuvre und erfahren in den aktuellen Werken eine weitere Veränderung. Nachdem die Portraits der letzten Jahre – im Kontrast zu Werners früherem Werk - eine anatomische Korrektheit aufwiesen, so beginnen sie sich jetzt wieder zu verzerren. Dabei greift die Künstlerin keineswegs auf die künstlerische Herangehensweise des Frühwerkes zurück, sondern entwickelt ihr Werk kontinuierlich weiter. Im klaren Gegensatz zu den frühen Bildnissen erfundener Personen in bewusst linkisch ausgeführter Malweise knüpfen die neuen Porträts an die Bildnisse der letzten Jahre an und bedienen sich fotografischer Vorlagen real existierender Personen. So erkennt man in einigen Bildern Stars und Starlets der Hochglanzpresse wie zum Beispiel die glamouröse Hotelerbin Paris Hilton. Doch die sonst unser zeitgenössisches Schönheitsideal verkörpernde Paris ist hier merkwürdig verzerrt. Die Augen liegen zu nah aneinander und das Kinn springt merkwürdig zurück, als hätte man ein „Scheibe“ aus dem Gesicht herausgeschnitten.

Betrachtet man die mittel- bis kleinformatigen Bildnisse eingehender, so wird schon anhand der Titel schnell deutlich, dass es der Künstlerin zu keiner Zeit darum geht im klassischen Sinn zu portraitieren. Die Portraits heißen Siren, Honey, Athlete, Squeak oder Boxer. Sie thematisieren Topoi, nicht Individuen. Unsere Erwartungshaltungen von schönen Frauen oder sportlich, markanten Männerfiguren werden durch die Verzerrung der Bildvorlage vorgeführt und auf das reduziert, was sie eigentlich sind, Trugbilder einer vermeintlich idealen, makellosen Wirklichkeit.

In dieser Herangehensweise wird die weitere Entwicklung Janet Werners Oeuvres erkennbar. Während die Bildnisse der letzten Jahre durch die Beigabe von Requisiten der Kitschkultur, der Darstellung übertriebener weiblicher Schönheit und markanter Männlichkeit gesellschaftliche Sehgewohnheiten hinterfragten, so geschieht dies heute durch Verzerrung von Proportionen vor einem überwiegend neutralen Bildgrund. Dabei bleibt Werner ihrer farbintensiven Malerei treu und dringt tiefer ein in die für sie charakteristischen Gegensätze von Vertrautheit und Anonymität, Individuum und Topos, Realismus und Verfremdung.