galerie julia garnatz
Ramona Schintzel
23.06. – 25.07.2009

> Pressetext
> pdf
> Vita
> Installationsansicht

Ramona Schintzel
23. Juni – 25. Juli 2009
Eröffnung: Samstag 20. Juni 2009, 12 - 18 Uhr

Sommeranfang in der Südstadt
zusammen mit:
Galerie Werner Klein
Galerie Schmidt Maczollek

Ramona Schintzel, 1982 in München geboren, hat im März dieses Jahres als Meisterschülerin bei Prof. Axel Kasseböhmer ihr Studium der freien Malerei und Graphik an der Akademie der Bildenden Künste München mit dem Diplom abgeschlossen.

In ihrer ersten Einzelausstellung in der galerie julia garnatz präsentiert die Künstlerin vornehmlich kleinformatige Bildnisse in Öl auf Leinwand, mit pastosem Farbauftrag. Für ihre Motive verwendet sie fotografische Vorlagen, die zu einem Großteil von Freunden und Bekannten oder aus der eigenen Familie stammen. In kräftigen Farben gemalt, werden Figuren und Umraum konsequent farblich genutzt: eine akribische Beschreibung unterschiedlicher Texturen von Tapeten, Möbeln, Kleidern, Landschaft und Haut.

Schintzels Bilder haben keine Titel, und die dargestellten Personen bleiben namenlos, es sind Kinder, Erwachsene und alte Menschen, mal in Gruppen, mal allein, mal in klassischer Portraitpose und mal wie durch einen Schnappschuss eingefangen. Sie entstammen Bildern, wie man sie in jedem Familienfotoalbum findet: Die würdevoll posierende Oma, der jüngste Spross, der im sommerlichen Garten in eine Kinderschubkarre gesetzt wurde, eine fröhliche Gruppe bei der Maibowle, die Familie beim Gruppenfoto mit Hund oder die fein zurechtgemachten Kommunionkinder, die mit für das Ereignis würdigen Requisiten wie Kerzen und Heiligenbildern ausgestattet sind. Wir erhalten einen Einblick in die Privatsphäre bürgerlicher, katholischer, deutscher Familien. Hier sind Menschen und Momente festgehalten, an die wir uns später erinnern wollen.

Doch der zunächst so vertraute Anblick kippt. Unbehagen kommt auf, betrachtet man die Gesichter der Portraitierten. Überwiegend frontal und körperlich manchmal nahezu aufdringlich, setzt Ramona Schintzel ihre Modelle in Szene. Distanzlos drängen sie sich dem Betrachter auf. Verstockt, verklemmt oder verzerrt grinsend, wie Fratzen und vorzeitig gealtert sehen uns sogar die Kinder entgegen. Der Blick auf etwas vermeintlich Vertrautes wird immer fremder, die zunächst empfundene Nähe wandelt sich in Distanz, in Entfremdung und die Verwandtschaft wird bedrohlich. Mag die fotografische Vorlage noch heitere Stimmung, einen lieben Menschen, einen schönen Moment oder ein wichtiges Ereignis „eingefangen“ haben so stellt Schintzel dies in ihren Bildern in Frage. Wieviel Bürgerlichkeit ist wirklich schön? Wann wird sie grotesk?

Die Künstlerin lässt die Frage unbeantwortet. Dabei gelingt es ihr - malerisch gekonnt – nicht in die Karikatur abzudriften, sondern die Portraitierten von ihren Vorlagen zu transformieren und ihnen eine neue Identität zu geben. Stolz, scheinbar mutig und selbstkritisch treten sie dem Betrachter entgegen und halten die Balance zwischen Normalität und Wahnsinn.