galerie julia garnatz
Nigel Bennett
Difficulties in the way
of persuasion

23.04. - 13.06.2009

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Nigel Bennett
Difficulties in the way of persuasion

23.04. – 13.06.2009
Eröffnung während der art cologne
Mittwoch, 22. April 2009, 18 – 22 Uhr

Mit Difficulties In the Way Of Persuasion präsentiert Nigel Bennett seine erste Ausstellung in der galerie julia garnatz. In zwei eigenständigen und doch ineinander übergreifenden Werkserien nähert sich der britische Künstler einem zentralen zeitlosen Thema: dem Bild, mit dem wir uns der Welt zeigen möchten. Persuasion ist denn auch zu verstehen als ”the convincing of others that this is who we ’really’ are.”

Wie aus früheren Ausstellungen des Künstlers bekannt, bestechen seine Fotografien durch ihre dunkle, beinahe mystische Atmosphäre. Eine faszinierend breite Palette von Schwarztönen und kraftvollen Lichtstimmungen in Bennetts Bildern wird oft als caravaggioesk beschrieben. Die dunkelsten Bildstellen üben einen besonderen Reiz auf den Betrachter aus. Statt sich flüchtig dem nächsten Bild zuzuwenden – weil die Objekte und Personen in den dunklen Schattierungen kaum auszumachen sind, verweilen Blick und Gedanken: bemüht, noch genauer hinzusehen, zu erkennen, was der Künstler uns zeigen oder vorenthalten will.

Mit ”I Represent” hinterfragt Bennett die Rollenverteilung zwischen Porträtiertem und Fotografen. Wie viel Wahrheit liegt in einem Bild? Wer sind wir und wie möchten wir, dass die anderen uns sehen? Während man in der klassischen Porträtfotografie bemüht ist, den Charakter oder die Seele eines Porträtierten sichtbar zu machen, erfährt man oft ebenso viel über den Künstler selbst. In ”I Represent” räumt Bennett seinen Darstellern einen Vorteil ein. Anders als in den inszenierten, vom Fotografen bis ins Detail ausgearbeiteten Settings seiner früher gezeigten Serie ”Tunnel Vision” überlässt er den Porträtierten die Entscheidung über Ort, Zeitpunkt und Art der Darstellung. Und dennoch wird er es sein, der den Auslöser drückt und die ultimative Autorenschaft am Bild einfordert; und dadurch letztlich sich selbst zu erkennen gibt. Je nach Perspektive resultiert daraus eine Zusammenarbeit oder ein Wettstreit zwischen Fotograf und Porträtierten.

Die Serie ”A Very Economic Miracle” entstand in der apulischen Kleinstadt San Giovanni Rotondo, dem ehemaligen Lebens- und Wirkensort des Kapuzinermönchs und Wunderheilers Padre Pio. Bereits nach dessen Tod 1968 wurde der Ort von zahlreichen Pilgern besucht. Als der Vatikan ihn 1999 heilig sprach, wurde die Geschichte der ehemals gesichtslosen süditalienischen Stadt neu geschrieben: Das Geld von jährlich 200 000 Pilgern verwandelte San Giovanni Rotondo in eine wild wuchernde Beton- und Neonlandschaft im Las-Vegas-Stil. Hotelkomplexe, diverse Kirchen – die neue Grosskirche von Renzo Piano wurde 2004 eingeweiht – und unzählige Padre-Pio-Souvenirshops prägen heute das Ortsbild.

Und so – trotz ihres weltweiten Ruhmes – scheitern die Bemühungen der Stadt, sich in einem wahrhaftigen, heiligen Licht zu präsentieren. Nach allmählich gesättigter Nachfrage und verebbendem Boom ragen unfertige Hotelbauten in den Himmel, stehen verlassene Betonkomplexe auf weiter Flur. Nigel Bennett zeigt uns mit seiner Serie jene wenig schmeichelhafte, aber vielleicht umso wahrere Seite von San Giovanni Rotondo: unbeseelte Bauruinen, die dank Bennetts meisterhafter Lichtführung wiederum in ureigenem Glanz erstrahlen.

Nigel Bennett (*1975, GB) lebt und arbeitet in Rom und Bangkok. Obwohl meistens erkennbar inszeniert, sind seine Arbeiten noch stark beeinflusst vom früheren dokumentarischen Schaffen. Er verwendet diesen Ansatz heute bewusst, um seine Betrachter in die Irre zu führen und herauszufordern. Ein weiterer Einfluss kann der Graffitikunst zugeschrieben werden, die Bennett als Teenager verfolgte. Meist in stillgelegten industriellen Geländen ausgeübt, sind solche Settings noch heute Gegenstand seiner Fotografie. Die dunklen Stimmungen, typisch für sein Werk, lassen sich möglicherweise ebenfalls auf diese Erfahrung zurückführen. In seinem gesamten Schaffen ist Nigel Bennett bestrebt, die Mythenbildung bei Fragen der Identität, Zugehörigkeit und, im Speziellen, eines Nationalempfindens zu erforschen.

Öffnungszeiten der Galerie:
Dienstag bis Freitag von 14 – 18 Uhr und Samstags von 12 – 16 Uhr, sowie nach Vereinbarung.